Hotel Bogota Berlin

Das Hotel Bogota in Berlin

Es war ein tränenreicher Abschied und das Ende einer anstrengenden letzten Phase, als Joachim Rissmann im Dezember 2013 das Hotel Bogota in Berlin für immer schließen musste. Der Preiskampf unter den knapp achthundert Berliner Beherbergungsbetrieb ließ dem Exoten, dem Künstler unter den Hoteliers, keine Chance. Die Kündigung des Mietvertrages für das 1911 erbaute ehemalige Wohnhaus in Charlottenburg wurde zwar noch ein letztes Mal ausgesetzt, letztendlich zwangen aber die wachsenden Mietschulden das Hotel Bogota Berlin in die Knie. Und doch – ein Stück Bogota lebt heute noch, nicht nur im Archiv der Erinnerungsstücke.

Das Kino wird zum Frühstücksraum

Übernachten in Berlin

Das Haus Schlüterstraße 45 hat bis heute eine wechselvolle Geschichte. Von 1934 bis 1938 lebte und arbeitete hier die Mode- und Aktfotografin Else Ernestine Neuländer-Simon, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Yva. Sie portraitierte Prominente, bis sie wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nazis ein Berufsverbot erhielt und vermutlich 1942 im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde. Die Nazis nutzten die Räume für die Reichskulturkammer und zensierten in einem Kinosaal – dem späteren Frühstücksraum des Hotels – Filme. Ironie des Schicksals: Nach dem Ende des Dritten Reichs richteten die britischen Besatz hier ihre Entnazifizierungskammer ein. Ab 1964 gab es die ersten vier Pensionen in der Schlüterstraße 45. Einer der Eigentümer, Heinz Rewald, war als Jude nach Kolumbien geflohen. Er gab dem Hotel den Namen der kolumbianischen Hauptstadt, Bogota.

Hotel Bogota in Berlin
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Es war ein tränenreicher Abschied als Joachim Rissmann im Dezember 2013 das Hotel Bogota in Berlin für immer schließen musste.

Ein Hotel für Künstler und Intellektuelle

Das helle Haus aus der Gründerzeit wurde in den stürmischen Zeiten der 1960er und 1970er Jahre zum Künstlertreff. Ilja Richter ließ diese Zeit in einem bemerkenswerten Dokumentarfilm aus dem Jahr 2015 wieder aufleben. Er hat eine sehr persönliche Erinnerung an das Hotel Bogota in Berlin: Seine Mutter, jüdische Schauspielern, überlebte hier unter falschem Namen die Nazi-Zeit. Im Film erzählt niemand Geringeres als Hanna Schygulla die Geschichte von Eva Richter. Familie Rissmann übernahm das Hotel 1976 und bewahrte den Charme der 1960er Jahre. Zum Überleben reichte es nicht. am 1. Dezember 2013 hatten die letzten Gäste Gelegenheit, an einer Versteigerung der Einrichtung teilzuhaben. Mit dem Erlös sollte ein Teil der Schulden bezahlt werden. Ein Happy End gibt es zumindest für das Haus Schlüterstraße 45. Nach einer umfassenden Kernsanierung, die zwölf Millionen Euro verschlang, stehen die Räume wieder in ihrer ursprünglichen Großzügigkeit zur Verfügung. Wolfgang Joop hat hier die Ateliers für sein Modelabel „Wunderkind“ – exakt dort, wo Yva einige ihrer berühmtesten Fotos machte. Sie wurden im Mai 2016 bei einem spektakulären Dachstuhlbrand durch Löschwasser schwer beschädigt, sind heute aber wieder nutzbar. Außerdem gibt es den 14oz Store des Bread & Butter Gründers Karl-Heinz Müller.

Little Bogota ist am Start

Und was macht Joachim Rissmann? Sein ehemaliges Hotel hat er nicht mehr betreten. Aber er vermietet Privatzimmer, keine zwei Kilometer von seiner früheren Wirkungsstätte entfernt, und er hat auch noch einige Souvenirs aus dem Alltag des großen Bogota abzugeben. Der Mythos lebt.

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