Kapselhotel Berlin

Winzige Schlafkabinen

Ein Kapselhotel in Berlin ist wohl eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten, die man in der deutschen Hauptstadt vergeblich sucht. Noch jedenfalls, denn wer weiß, was uns nach Fertigstellung des Flughafens BER Berlin – Brandenburg alles erwarten wird. Kapselhotels, die winzigen Schlafkabinen, wenig schmeichelhaft auch als Särge für Lebende bezeichnet, sind eine asiatische Erfindung. An Flughäfen bieten sie zwei Quadratmeter für ein Nickerchen, Fernsehen oder Internet im Liegen während eines Umsteigeaufenthalts, aber ganz sicher keinen Urlaubsspaß. Kapselhotels sind also ganz sicher nicht, was die jährlich mehr als zehn Millionen Übernachtungsgäste in Berlin suchen.

Berlin ist im Ü30-Club

Übernachten in Berlin

Berlin liegt voll im Trend. 2015 knackte die Stadt erstmals die Marke von dreißig Millionen Übernachtungen, was Burkard Kieker, Chef der landeseigenen Touristik-Gesellschaft „Visit Berlin“ zu der in der Überschrift zitierten Bemerkung veranlasste. Mit dem europäischen Spitzenreiter Paris, der es auf mehr als den doppelten Wert bringt, kann Berlin zwar nicht mithalten, aber dennoch glänzen Stadt und Region mit beachtlichen Zuwachsraten, vor allem bei ausländischen Gästen. Und wer nun denkt, die hohe Zahl habe nur mit Diplomaten und Abgeordnetenbesuchen zu tun, der irrt: Nur ein Viertel der Bettenbuchungen entfiel auf Arbeitsbesuche einschließlich der privaten Wirtschaft.

Kapselhotel in Berlin
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Berlin liegt voll im Trend.

Kultur und Nachtleben sind Motoren des Tourismus

In einer repräsentativen Umfrage gaben 18 % der Berlin-Reisenden Alltagsflucht als Motiv für ihre Tour in die Hauptstadt an. Nun ist Alltagsflucht ein weites Feld – und so unterschiedlich sind dann auch die Aktivitäten, das Budget und die Wünsche an die Nachtquartiere. Knapp 140.000 Gästebetten werden in Berlin angeboten, im umgebenden Bundesland Brandenburg kommen noch einmal 85.000 hinzu. Campingplätze sind hierbei nicht mitgerechnet, aber auch die sind in Berlin zu finden. Die Berliner Betten sind im Jahresschnitt zu mehr als 60 % belegt. Zu Messenzeiten wie etwa während der Internationalen Grünen Woche oder der Funkausstellung wird es in den 530 Hotels und 250 Pensionen, Hostels und weiteren Beherbergungsbetrieben schon einmal eng. Wer seine Reisezeit frei planen kann und solche Stoßzeiten meidet, findet aber eine reichliche Auswahl vom kleinen Familienhotel bis zum Wellnesstempel, vom Apartment mit Kochgelegenheit bis zur Luxus-Suite. Eine interessante Alternative sind privat vermietete Wohnungen. Was als Home Sharing sinnvoll begann, ist der Stadtverwaltung mittlerweile ein Dorn im Auge. Denn durch rücksichtslose Geschäftemacherei mit zweckentfremdeten Wohnungen wird der ohnehin gravierende Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Berlin verschärft. Nun gibt es ein strenges Gesetz gegen die illegale Vermietung, das auch die eigentlich sinnvolle Vermietung einer vorübergehend nicht benötigten Wohnung schwierig macht. Auf entsprechenden Plattformen im Internet finden Interessenten aber immer noch mehrere tausend Angebote, die die Tourismus-Landschaft Berlins um eine Facette erweitern. Nur das Kapselhotel hat in Berlin nicht Fuß gefasst.

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